Am Aktienmarkt warten in Zeiten niedriger Zinsen die großen Renditen.Die Rendite am Aktienmarkt hat in den letzten 10 Jahren die Tagesgeldrendite deutlich geschlagen! Mit solchen und ähnlichen Aussagen werden derzeit Bankkunden von ihren Bankberatern zur Geldanlage in Aktien und anderen Wertpapieren gelockt. Und ja, in der Vergangenheit hat der DAX als großes deutsches Börsenbarometer trotz Finanzkrise oft besser performt als die Geldanlage auf Tages- und Festgeldkonten. Doch dies ist leider kein Garant für zukünftige Kursentwicklungen. Auch wir von Fingel.de legen ein Teil unseres Geldes in Wertpapieren an um an einer möglichen, besseren Kursentwicklung und vor allem dem Wertbeitrag der Realwirtschaft zu partizipieren. Aktien und sonstige Wertpapiere, auch bei breiter Streuung, als Alternative für Tages- und Festgeld zu vermarkten, sehen wir jedoch gleich auf Grund mehrerer Punkte, sehr kritisch.

Warum das Aktiendepot keine Tagesgeldalternative ist:
Die Finanzkrise hat gezeigt, dass die Kursentwicklung auch über mehrere Jahre hinweg negativ verlaufen kann. Für den Notgroschen der für unerwartete Anschaffungen zurückgelegt wird, gibt es aus unserer Sicht keine Alternative zum Tagesgeld oder einer vergleichbaren, sofort verfügbaren Geldanlage. Den anders als beim Tagesgeld, ist bei fast jedem Wertpapierdepot der Kauf und Verkauf von Wertpapieren mit zusätzlichen Kosten in Form von Ordergebühren, bei Aktienfonds und ETF Sparplänen in Form von Aufgabeaufschlägen und anderen Transaktionskosten, verbunden. Dies führt dazu, dass selbst bei einer Seitwärtsbewegung oder leicht steigenden Kursen auf kurze Sicht dem Anleger bei Kauf und Verkauf häufig Verluste entstehen. Daher sollte Geld, das innerhalb von 1-3 Jahren verfügbar sein muss, nicht in Aktien und andere Wertpapiere angelegt werden.


Warum das Wertpapierdepot nicht vor niedrigen Zinsen schützt:
Aktuell tun einige Banken so als wäre am Kapitalmarkt vom niedrigen Zinsniveau nichts zu spüren und die Renditen würden nur darauf warten von Privatanlegern eingestrichen zu werden. Das ist natürlich Quatsch. Das niedrige Zinsniveau betrifft natürlich nicht nur die Tages- und Festgeldzinsen. Auch die Renditen auf Anleihen von Staaten und Unternehmen sind auf einem entsprechend niedrigen Niveau. So notieren Anleihen des Bundes mit einer Restlaufzeit von 5 Jahren derzeit mit einer negativen Rendite. Auch bei den Anleihen von namhaften Unternehmen sieht es nicht besser aus. Eine Anleihe der Daimler AG mit 3 Jahren Restlaufzeit notiert aktuell bei ca. 0,37% Rendite p.a. (Stand: 13.11.2015), Anleihen von O2, BMW, Unilever und vielen weiteren Unternehmen liegen ebenfalls mit einer Rendite von 0,4-0,6% nicht besser. Höhere Renditen sind nur mit höherem Risiko möglich. So notieren die Anleihen von ausfallgefährdeten Unternehmen deutlich über den genannten Renditen. Der Preis für diesen Mehrertrag ist das höhere Risiko das investierte Geld, zumindest zu einem großen Teil, zu verlieren.

Warum bewerben Banken aktuell deutlich aktiver ihre Depotangebote?:
Hauptgrund für den aktuell wachsenden Trend der Banken sich auf die Vermarktung von Wertpapierdepots zu konzentrieren, sind die höheren Erträge die sich daraus generieren lassen. Die alteingesässenen Filialbanken kassieren in vielen Fällen den "marktüblichen" Aufgabeaufschlag bei Fonds von ca. 5%. Hinzu kommen bei diesen Banken oft Gebühren für das Depot die in vielen Fällen an das Anlagevolumen gekoppelt sind und so bereits bei einem Depotvolumen von einigen Tausend Euro im dreistelligen Bereich liegen. Bei großen Depotvolumina machen Banken hier ein lukratives Geschäft. Ein weiterer Grund für den Versuch Sparer zum Wechsel in den Wertpapiermarkt zu bewegen sind die hohen Spareinlagen auf Tages- und Festgeldkonten. In der Vergangenheit haben Banken dieses von den "faulen Sparern" angelegte Geld genommen und selbst am Kapitalmarkt investiert. Da sich in der Vergangenheit, auch in Zeiten von 4% Tagesgeldzins, mit vergleichsweise sicheren Anlagen am Kapitalmarkt nochmals höhere Renditen erzielen ließen, war dies ein lukratives Geschäft. Des Weiteren konnte das Geld zum Teil bei der EZB geparkt werden, eine Möglichkeit die den Banken immer noch eine kleine Rendite bzw. zumindest den Ausgleich der Tagesgeldzinsen ermöglichte. Eine weitere Anlagemöglichkeit der Banken war die Kreditvergabe. Aktuell liegt der Leitzins für diese Einlagen, die sogenannte Einlagenfazilität bei minus -0,20% p.a. (Quelle: Bundesbank.de) Im Klartext bedeutet dies: Banken zahlen derzeit drauf, wenn Sie Geld nicht anderweitig investieren können, sondern dieses bei der EZB Parken müssen. Die Banken selbst sind auch nicht mehr in der Lage am Kapitalmarkt die Tagesgeldzinsen zu erwirtschaften. Besser also jeder Anleger versucht eigenständig sein Glück. Daran verdienen die Banken entsprechend. Auch bei der Anlage in ETFs fallen Gebühren an, bspw. bei jedem Kauf und Verkauf, bei vielen Banken auch für die Ausführung von Sparplänen. Sollte es den Banken nicht gelingen die Sparer zu den Depotangeboten zu locken, werden einige, vor allem kleinere Banken, in den nächsten Jahren nicht mehr fortbestehen können.

Was sollte ich als Sparer aktuell tun?:
Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Wir unterstützen Sie aber gern mit folgenden Tipps bei ihrer Entscheidung:
1. Gier ist ein schlechter Ratgeber. 0,7% Tagesgeldzins mag gering erscheinen, bei der aktuellen Inflation von 0,3% (Quelle: Statista.de), verlieren Sie auch auf dem Tagesgeldkonto kein Geld.
2. Lassen Sie sich nicht von Finanzberatern und tollen Tipps verleiten, sondern informieren Sie sich selbst. Je nach Dauer der Geldanlage sind unterschiedliche Anlagestrategien und Anlageprodukte sinnvoll. Eine erste Hilfe kann für Sie unser Artikel "Die richtige Geldanlage" sein.
3. Extreme sind gefährlich: Wählen Sie auch bei der Geldanlage den Mittelweg. Geld auf das Sie nicht verzichten können, gehört ausschließlich in konservative Anlagen wie Tages- und Festgeldkonten, möglichst bei einer deutschen Bank um sich im schlimmsten Fall nicht mit Gerichten außerhalb der Heimat auseinandersetzen zu müssen. Einen aktuellen Vergleich der Tagesgeldangebote finden Sie hier. Trauen Sie sich aber ruhig mit einem kleinen Teil ihres Vermögens, bei dem Sie auch bei hohen Verlusten die Ruhe bewahren können, zu spekulieren. Sinnvoll ist dies zumeist als Sparplan, da Sie so in Zeiten niedriger Kurse mehr Wertpapiere einkaufen als in Spitzenzeiten. Da diverse wissenschaftliche Studien ermittelt haben, dass niemand in der Lage ist zukünftige Kursverläufe sicher Vorherzusagen, legen wir selbst unser Geld nur noch in ETFs an. Wenn Sie sich bereits zu ETFs informiert haben, finden Sie bei uns hier einen Vergleich der aktuellen ETF-Sparplankonditionen einer Vielzahl von Onlinebanken.
Falls Sie hiervon noch nichts gehört haben, sollten Sie mit dem Artikel "Was sind ETFs?" beginnen.


Wir hoffen Ihnen hat unser Artikel gefallen und geholfen und freuen uns auf Ihre Kommentare.
Ihr Fingel.de Redaktionsteam

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